Sonntag, 11. August 2013

Blogowski-Ruhrpott-Special

Heute schließen einige von uns Blogowski-Damen sich zusammen und erzählen etwas zu unserer jeweiligen Stadt bzw. einem schönen Platz darin. Ich finde es super interessant zu sehen, wie andere Menschen ihre Umgebung wahrnehmen bzw. was sie für erwähnenswert halten und freue mich auf die Lektüre. Da kommt man irgendwie nicht umhin, selber auch was in den Orbit zu schießen. Zögerlich, unvollständig, aber doch.

Wir leben also in Lünen. Lünen und ich sind sehr langsam miteinander warm geworden, eigentlich sind wir immer noch dabei. Ursprünglich aus dem Rheinland, hab ich schon hier und da gewohnt, aber noch nie vorher im Ruhrgebiet. Die Mentalität der Menschen ist anders und ich hadere doch des öfteren damit.

(Stromkästen Viktoriastraße)

Lünen hat allerdings durchaus seine Momente, einige sogar, das sei nicht verschwiegen. Im Laufe der Zeit hab ich bei Instagram die meisten Bilder schon gezeigt, so nehmt es mir nicht übel, wenn sich da manches wiederholt, aber immerhin ein paar neue Aufnahmen sind dabei. Und Text.

Wer sich für Geschichte, Politik und Geographie interessiert, möge bitte hier schauen, davon hab ich zugegebenermaßen keinen Plan. Was mir gefällt, ist sicher nichts Originelles und jedem Lüner (ja, es heißt nicht "Lünener", was mir nach 10 Jahren in der Gegend immer noch die Nackenhaare aufrichtet) hinreichend bekannt.

Zum Beispiel drehen wir abends gerne eine Runde am Seepark. Die Stadt Lünen sagt auf ihrer Homepage sehr treffend dies: "Als ökologische Flächensanierungs- und Entwicklungsmaßnahme in einem vom Bergbau gekennzeichneten Gebiet im Lüner Süden ist das rund 60 Hektar große ehemalige Gelände der Landesgartenschau 1996 heute ein beliebtes Ziel für Naherholungssuchende." Für uns ist es fein, sich auf die (Lauf)Räder zu schwingen und durch das Wäldchen in Ruhe zur Seeanlange zu mäandern. Abends, wenn die Massen hinausgeströmt sind. Am See zu sitzen und den zufriedenen Kindern zuzuschauen, hat etwas überaus Wunderbares.




Wenn man den See linker Hand neben sich liegen läßt und über die Kanalbrücke geht, landet man im Waldgebiet von Schloß Schwansbell. Hier gibt es einen Spielplatz, der zwar auch von zweifelhaftem Publikum frequentiert wird, allerdings vorrangig an Wochenendabenden. Tagsüber ist der wirklich schön.


Durch die Anlage zu marschieren macht Spaß, ein Museum gibt es auch


und einen Wassergraben mit Enten. Das Schloß selbst ist inzwischen in Wohnungen zur Miete aufgeteilt.



Es (= das Museum nebendran) ist ein beliebter Ort, um sich in Lünen trauen zu lassen und wenn man am Wochenende vorbeikommt, posieren sicherlich Hochzeitsgesellschaften auf der Schloßtreppe oder ein Bräutigam jagt seine ihm frisch Angetraute in anmutigen und sehr natürlichen Posen über die Wiese (spontane Instruktionen liefert ein bestellter Fotograf). 

Die Serie "Schön heiraten in Lünen" geht nahtlos weiter mit der Schlossmühle Lippholthausen. Bezaubernd, leider in Wurfnähe zweier Kraftwerke und des Wertstoffhofes. Aber auf den Hochzeitsbildern sieht man das ja nicht. 


So ist übrigens Lünen generell, hier liegen schön und häßlich enorm dicht beisammen. Kein Stadtteil ist durchgängig zu bewerten, häufig findet man Tür an Tür absolute Extreme. Von anderen Städten kenne ich es, dass ein Stadtteil auch für ein gewisses Milieu steht. Hier ist das nicht so. Da koexistieren (meistens) in Harmonie Zechenhäuser, sozialer Wohnungsbau und gepflegtes, individuell geprägtes Eigenheim nebeneinander. Schloß und Kraftwerk sind in Lünen kein Widerspruch und das macht für mich den Charme dieser Stadt aus.

Die Fußgängerzone ist ein großartiges Beispiel. Keiner möchte wissen, wieviel Geld in den vergangenen Jahren in ihre Komplettsanierung geflossen ist. Vorher war sie auch völlig okay, aber inzwischen sehen diese Einkaufsbereiche stattlich aus. Bis auf ... das alte Kaufhaus. Mitten im neuen Prunk der wettbewerbsfähigen Innenstadt steht ein vor Jahren geschlossener Asbest-Bunker, den niemand abreissen mag oder darf oder kann, whatever. Manchmal liest man über Fortschritte in der Planung oder in der Identifizierung eines Investoren, dann wird es wieder still. Der aktuelle Stand der Dinge scheint dieser.


In Brambauer steht übrigens ein über die Grenzen der Stadt beachtetes Kunstwerk, der Lüntec-Tower oder auch das "Colani-Ei". Hier wurde auf den Förderturm der Steinkohlenzeche Minister Achenbach ein Ufo gesetzt. Von wem, läßt der Name erahnen. Es sieht auch in natura beeindruckend aus.


Wenn man aus Brambauer wieder zurück in die "Lüner" Innenstadt fährt, sieht man den Stadthafen, einen "Universalhafen für Stück-, Schütt- und Recyclinggüter". Durch Lünen fließt der Datteln-Hamm-Kanal, in den sich nicht nur illegalerweise volltrunkene Jugendliche an lauen Sommertagen von Brücken stürzen (in non-suizidaler Absicht), sondern der eben unter anderem dieses Panorama nebst seiner Arbeitsplätze beschert.


(Blick von der Brücke Dortmunder Straße)

(Blick von der Brücke Bergstraße, ganz hinten rechts der Stadthafen)

Der Bergbau bzw. die Erinnerung daran ist in Lünen allgegenwärtig.

(Bebelstraße)

(Steinstraße)

(im Technologiezentrum in Brambauer)

Der Cappenberger See muß noch erwähnt werden. Hier läßt sich um den See herum eine schöne spazierte Runde drehen, man kann Tretboot fahren oder in den dahinter liegenden Wald ausscheren, der sich ungehindert an die 30km² in Richtung Selm, Werne, Bork und Südkirchen ausbreitet. In dem See leben Wasserschildkröten, die freundliche Mitmenschen dort einmal aus ganz sicher edler Motivation frei ließen, aber scheinen hartgesottene Vertreter zu sein. Die Schildkröten. Spielplätze gibt es ebenfalls am Cappenberger See, eine Jugendherberge und ein Bimmelbähnchen nebst Elektrofahrzeugen für etwas größere Kinder. Nebendran ist ein Freibad.



Wenn man die Münsterstraße stadtauswärts entlang fährt und irgendwann in den Feldern rechts abbiegt und dem Waldweg ein Stückchen folgt, landet man beim Bio- und Hofladen Schulze Wethmar. Wunderschön ist es dort.


Direkt nebendran steht diese idyllische Scheune.


Da wir weder abends ausgehen noch uns von Profis bekochen lassen, sieht es mit meinen Empfehlungen für Schlemmen  und Feierngehen dünne aus. Die Eisdiele in unserem Stadtteil ist aber prima, wenngleich man von dem lauschigen Bänkchen vor dem Schaufenster den Panoramaview auf den Parkplatz des benachbarten Getränkemarktes bewundern darf. Die Nähe zur Hauptstraße sorgt für ein zusätzliches Urlaubsgefühl, aber wie schon gesagt: eigentlich mag ich Lünen genau dafür. Paßt nix zusammen und am Ende isset doch gut.

Schaut mal, was Carmen, Haydee, Heidi, Gesa, Berit, Natalie, Katja und Ann-Christin an schönen Orten zu zeigen haben. Seid liebst gegrüßt von Nina.

Kommentare:

  1. das ist ja ein spannendes projekt, werd mir gleich mal noch andere ruhrpottimpressionen angucken...
    danke für die vorstellung von lünen ;-)
    hübsche plätzchen hast du ausgesucht.
    ich kenn den ruhrpott leider gar nicht, hab mir nur mal die völklinger hütte angeguckt und war echt beeindruckt. fotografisch ein paradies!
    herzliche grüße & wünsche an dich
    amy

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  2. Interessant! Ich persönlich war ja noch nie im Ruhrpott…also höchstens auf der Durchreise ;-) Und eine meiner Freundinnen kommt aus Essen, und der Dialakt zu Beginn, wie sie bei uns in die Klasse kam….oha! Das ist für einen Hanseaten…nun ja, es gab da einige Witze drüber *lach*…Aber was uns als schweigsame Norddeutschler am meisten beeindruckte war, glaube ich, ihr stetiges Geplapper…unbelievable und doch so unterhaltsam…
    So, nun mache ich die Klappe der Erinnerungen (und vielleicht gehört Essen auch gar nicht zum Ruhrpott?! ) mal wieder dicht, und beneide dich um das viele, was du von deiner Stadt weisst…und vielen Dank für's Mitnehmen!
    Schönen Sonntag dir,
    Kram,
    Maren

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  3. Liebe Nina,
    sehr spannend dein toller Bericht über Lünen. Ich glaube solche Gegensätze sind in jeder Stadt zu finden. Sehr einladend und ganz wunderbar sind deine Fotos vom See, Spielplatz, Schloss und der Mühle. Das passt so gar nicht zu dem Bild, was man mit dem Begriff oder der Region Ruhrpott verbindet. Das sieht eher sehr ländlich und gemütlich aus!

    Ganz liebe Grüße,
    Sabine

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  4. Liebe Nina, dass Du mit der anderen Mentalität des Öfteren haderst, kann ich gut nachvollziehen. (Mir geht es auch nach 20 Jahren in Wien nicht anders.) Ich mag Deine Sicht auf die Dinge – auf die schönen und auf die weniger schönen. Und auf den ersten Blick hat Lünen offenbar doch einiges zu bieten. Danke fürs Mitnehmen auf diesen spannenden Streifzug!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Sonntag!
    Liebe Grüße von
    Sonja

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  5. BOAH - was für ein ausführlicher Nina-Bericht. SEHR schön und anschaulich, wie Dein Gefühl für die Stadt durch die Zeilen brummt. Danke, dass Du mir Lünen 'näher' bringst :) Und klasse, dass Ihr ein Netzwerk habt! Sei herzlich umarmt, Anette

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  6. So schön, danke für den Einblick!! Als Kind war ich oft in Lünen und mag die Stadt, viel lieber als Dortmund-Derne ;-)

    LG Chrisse

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  7. Allein schon der See in Gehnähe - um den beneide ich dich!

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  8. Guten morgen,Schätzeken und herzlichen Dank ;o)!Ich sitze hier mit einer leckeren Tasse Kaffee und habe genossen ;o), was für ein supertoller post und was für superschöne Ecken es bei euch gibt!Automatisch bin ich unser "Stadtbild" im Kopf durchgegangen und hier es tatsächlich so,wie du schreibst, nix mit schön und häßlich nebeneinader,hier gibt es durchgängig schöne und durchgängig nicht so schöne Ecken.Es sieht echt schon anders aus ;o).Hach,dass hat Spaß gemacht ;o)!Einen wundervollen Tag und die liebsten Grüße...deine Petie ♥

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  9. So, ich kann nun mit Fug und Recht behaupten: in Lünen isses wie überall im Pott: abwechslungsreich. Und das bitte, ist doch auch was. Der Hof gefällt mir mit Bach und Scheune. Bin ja im Herzen eher so Landkind auch wenn ich mitten inner Stadt residiere :-)
    Danke für den schönen Einblick!
    Lg Haydee

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  10. Wow, jetzt hab ich schon fast Lust auf eine Reise nach Lünen - wer hätte das gedacht?

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  11. Hallo,

    Danke fuer die Bilder und das Teilen. Das mit dem Wasser und dem schoenen Fachwerkhaus haette mich auch Interessiert.
    Die Gegend ist sehr einladent.

    Sei lieb Gegruesst von Conny

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  12. ach, da hast du aber viele tolle eidrücke zusammenbekommen. ich mag das ruhrgebiet ja unheimlich. vor allem die unpretentiöse art der leute dort. ich bin in hamm aufgewachsen...
    und wünsche mir hier manchmal ein paar fleckchen, die nicht gleich bei jedem sonnenstrahl völlig überbevölkert sind. sei lieb gegrüßt aus hamburg!

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  13. Huhu,
    die Eltern von meinem Schatz wohnen in Lünen, sowie seine Schwester. Das schlimmst an Lünen finde ich den Weg von der A2 bis in die Innenstadt. Jedes mal ärgere ich mich glaube ich darüber, tausend Ampeln und immer wieder ändernde Fahrspuren...damit werde ich wohl nie warm werden ;)
    Das soll jetzt kein Gemecker sein ;) Danke für das zeigen der Orte aus Lünen, das mit Tower wusste ich auch noch nicht.
    Hab noch einen schönen Abend...
    Liebe Grüße
    Mone .)

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  14. Schöne Bilder und ein schönes Fazit:
    "Passt nix zusammen und am Ende isset doch gut."...
    Du und Lünen, ihr scheint schon ziemlich warm miteinander geworden zu sein ;-)
    Liebste Grüße von Susann

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  15. Das ist ja ein meeega-ausführlicher Post! Da habbisch direkt ne Menge Neues gelernt! Danke dafür :)

    Und warum haderst Du noch mit dem Pottvolk?! Wir sind doch ENTZÜCKEND <3

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  16. Ich war noch nie in Lünen, wenn ich ehrlich bin. Aber es sieht sehr beschaulich aus und hat ganz offenbar ganz viele nette Ecken. Ich glaub alleine wegen des UFOs muss ich da mal hin ;o)

    Liebe Grüße, Carmen

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  17. Hallo liebe Nina,
    ich war noch nie in Lünen, aber sollten wir mal in der Gegend unterwegs sein, müssen wir 1. dich und 2. das Ei besuchen. sehr cool! Aber auch wenn du noch mit der Gegend haderst, wie du schreibst, es liest sich schon ein bisschen wie eine Liebeserklärung :) Du, ich hab heute deinen Header entwendet für einen Blogpost, sozusagen auch eine Liebeserklärung. Ich hoffe, das ist okay...? Falls nicht, einfach sagen, dann nehm ich ihn selbstverständlich raus. Liebste Grüße in den Pott!

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  18. Demnächst machen wir einen Ausflug! Basta! Das haste jetzt davon.
    Aus dem richtigen Blickwinkel und mit offenen Augen betrachtet kann fast jede Stadt in neuem Licht erstrahlen. Und manchmal ist es genau die Mischung, die das Ganze ausmacht. Ich hätte früher auch nie gedacht, dass ich Ehrenfeld so viel abgewinnen könnte.
    Ich drücke dich und auf bald!
    Steffi

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  19. Also dieses Lünen, ich fand das schon bei Instagram so hübsch, aber jetzt, so mit Beschreibung noch schöner!
    Grüße zu Euch da,
    Nike
    Ps. Schon wieder Post von Euch, haben uns sehr gefreut!

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  20. Ihr habts ja echt schön bei euch, viel grün und mit Fachwerk!...eigentlich schade das wir so wenig ins Umland fahren, sollten wir viel öfter machen.
    Als Kind war ich sehr oft in den Ferien bei meiner Tante in Essen und mit Eltern, Omma und Oppa auf dem Weihnachtsmarkt in Dortmund, aber das ist alles Jaahre her...schade eigentlich,ne?

    In Lünen war ich, glaube ich, noch nie.
    Toll wie du alles fotografiert, beschrieben und verlinkt hast. Was für ein Arbeit.
    Danke dir dafür :)


    Liebe Grüße, Bianca

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  21. Liebe Nina, da bekomm ich richtig Lust auf Lünen. Der Zug, der von Münster dahin fährt heiß ja "Lünener", oder? Der Lünener. Vielleicht fahre ich mal mit dem Lünener zu den Lünern. Und guck mir Lünen an. Bin grad nicht so oft im Netz unterwegens. Der Sommer ruft ins echte Leben....schöööön.
    Schöne Sommerzeit noch!
    lisa

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