Mittwoch, 1. Oktober 2014

Gemütlichkeit - Short Stories #10

Mit dem diesmonatigen Thema von Bine und Andrea hatte ich meine Anlaufschwierigkeiten. Keine aufleuchtenden Bilder im Kopf oder gar ein Geistesblitz. "Gemütlichkeit" ist so ein gebeutelter Begriff der Inneneinrichtungsgazetten und bezeichnet gerne tendenziell sterile Wohnräume im Vintage-Design, die so einen Hauch von der "guten Stube" haben, die frühere Generationen sich für Sonntage und Besuch vorbehielten.

Auch Menschen werden aufgrund von Äußerlichkeiten für gemütlich gehalten, gerne in Kombination mit Übergewicht. Irgendwie absurd, oder?

Denkt man darüber nach, steckt jedoch weitaus mehr in so einem vermeintlich oberflächlichen Begriff. 

Balu der Bär wußte seinerzeit schon, dass Gemütlichkeit eine Geisteshaltung ist, die uns zum Glück führt.

Gemütlichkeit ist eine Form der Gelassenheit, der Ruhe, der Ausgeglichenheit, aus der heraus man es sich selbst und anderen erst gemütlich machen kann. Heimelig.

Gemütlich ist für mich z.B. Besuch zu haben, der Zeit mitbringt und selbst ein ebenso offenes Zeitfenster anbieten zu können. Einfach nur miteinander zu sein, den gemeinsamen Raum mit Unternehmungen oder Gesprächen zu füllen, wertzuschätzen, dass man liebenswerte Menschen kennt.

Folglich hat Gemütlichkeit auch etwas mit Genuß zu tun, oder noch weiter gefaßt mit einer geschulten Wahrnehmung, der Hingabe und der Demut.

So viel steckt in so einem kleinen Wörtchen, das hat es für mich spannend gemacht. Und ich möchte diese Gemütlichkeit in unserem Leben weiterhin kultivieren und am liebsten steigern. Noch mehr Raum für Gelassenheit, aber auch Geborgenheit, an mancher Stelle sogar ein gesundes Phlegma statt Hektik, Schnelldrehung, Mäkeligkeit.

Ist eine hohe Kunst. Aber sich das bewusst zu machen und zu sehen, dass Gemütlichkeit nicht abhängt von Dingen, sondern von der Geisteshaltung, die man zu leben imstande ist, scheint mir ein gutes Nahziel. Dauerziel. Was auch immer.

Beste Grüße von Nina, eine schöne restliche Woche wünsche ich Euch. 

Anbei übrigens mein schon etwas welker Geburtstagsblumenstrauss, symbolisch für einen wirklich entspannten Tag voller Freundlichkeit, lieben Menschen, Genuss und ja, Gemütlichkeit. Herrlich unhektisch war es und ein so wertvoller Start ins nächste Lebensjahr. Danke Euch auch an dieser Stelle, dass Ihr an mich gedacht habt und  damit dazu beigetragen habt, wie schön es war.


Kommentare:

  1. Wie oft hab ich schon geschrieben, dass ich es liebe, gemütlich durch die Gegend zu radeln - ohne bewusst in Worte zu fassen, was ich damit meine?!? Eben dies: Genuss und Gelassenheit, Ruhe und Ausgeglichenheit, natürlich die Wertschätzung der in dieser kostbaren Zeit gemachten Erfahrungen - für mich und meine Kinder. Du hast es wunderbar treffend beschrieben, das Gemütliche.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  2. Liebe Nina, da finde ich mich sehr wieder, und solch einen Nachmittag hatte ich am Montag mit einer Freundin..., Spaziergang und am See sitzen vor dem Kaffeetrinken an einem schön gedecktem Tisch im Garten mit open end und langen Geschichten der Zwischenzeit... Alles Liebe Ghislana, die merkt, dass sie die Teilnahme an den short stories aus den Augen verloren hat...

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  3. Ich gebe zu, ich habe mit dem Begriff Gemütlichkeit auch so meine Probleme...aber deine Interpretation dazu gefällt mir sehr gut...In diesem Sinne mache ich mich jetzt mal auf und treffe mich gemütlich mit einer Freundin zum Schwatz...ganz ohne auf die Uhr zu schauen...;-). LG Lotta.

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  4. Wieder gut geschrieben! Gute Gedanken und ein schönes Ziel. Ich brauche auf jeden Fall viel mehr Gemütlichkeit im Alltag! :*

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  5. Das hast du in wundervolle Worte gekleidet! <3
    Wir sollten bei Gelegenheit mal wieder einen gemütlichen Nachmittag/Abend/Wochenendtag miteinander verbringen. Der Winter wird lang und hart und dunkel. Da werden wir zwei Hübschen bestimmt ein Zeitfenster für finden!

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  6. Das hast du sehr schön geschrieben, ich finde auch, dass der Begriff so etwas Spießiges an sich hat aber das was er eigentlich bedeutet ist doch etwas sehr erstrebenswertes.
    liebe Grüße, Dani

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  7. Von der Seite aus betrachtet hat der Begriff doch einiges an Tiefe gewonnen :)
    Liebe Grüße,
    Kebo

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  8. Liebe Nina, Du wort gewandte, wandelst da einen Begriff, den sogar Amerikaner mit bierzelteichenerwumtatatradition füllen mit so einem Satz:
    Folglich hat Gemütlichkeit auch etwas mit Genuß zu tun, oder noch weiter gefaßt mit einer geschulten Wahrnehmung, der Hingabe und der Demut.
    Wundervoll!
    Liebe Grüße von
    Lisa

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  9. Liebe Nina,
    wenn mir das nächste Mal wieder ein Zuviel an Gemütlichkeit vorgeworfen wird, werde ich auf deinen Text verweisen - du bringst es auf den Punkt.
    Alles Liebe auch noch nachträglich zum Geburtstag, ich hinke momentan mit allem ein bisschen hinterher (zu viel Gemütlichkeit im echten Leben), hoffe aber, dass das neue Lebensjahr genauso gut weitergeht, wie es offenbar anfing.
    Sei lieb gegrüßt von
    Naomi

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  10. Happy Birthday nachträglich. Und danke für Deine Gedanken über Gemütlichkeit und Genuss. das passt perfekt zum heutigen Sonntag ...

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