Dienstag, 17. November 2015

Hab keine Angst, mein Kind. Fortsetzung.

Am Samstag Vormittag war mir alles zu viel. Die Gedanken strudelten in dunkle Sphären und ich war völlig Treibsand und überfordert. Die Contenance, die Vielgepriesene, sie mochte nicht bei mir bleiben, auch wenn man vielleicht nach außen hin keinen Unterschied bemerkte, so hab ich doch ziemlich um Haltung gerungen.

Ausgehend von da entstanden die Worte, die zu "Hab keine Angst, mein Kind" geführt haben. Der erste Blogbeitrag seit Monden und dann direkt verletzbar und klein.
Aber siehe siehe.

Die feinen Menschen nah und fern, anonym oder bekannt, befreundet oder nicht, sie sind noch da. Sie helfen mir. Ganz in echt und ganz 1.0.
Dafür möchte ich "Danke" sagen. 
Danke, dass Ihr "zugehört" habt und Euch Zeit genommen habt für so viele wertvolle Gedanken, die nun meine Kommentare und -noch viel wichtiger- mein Leben bereichern.

Es ist mittlerweile Sitte, dass man unter dem jeweiligen Posting antwortet, auf jeden Kommentar und sei es nur mit einem "Danke, liebe xyz". Ist nicht so mein Ding, zugegeben. 

Zu diesem speziellen Anlass, zu dem ich mich so gut aufgehoben fühlte, möchte ich Euch - in der Reihenfolge der Abgabe - die guten Worte zeigen und ans Herz legen, die bei mir genau da ankamen. Die mir weitergeholfen haben und mich weiterhin tragen, wenn ich doch noch mal strauchele.
Außerdem antworte ich dann hier, wen es interessiert. Ein Potpourri aus Altem, Neuem, Vergessenem und immer noch der Hoffnung. Die ist da. Ganz deutlich.

Seid lieb gegrüßt und habt es schön. Echt. Nicht nur ein bisschen.
Nina



"Angst ist niemals ein weiser Ratgeber. Keinw Angst haben. Wie soll das gehen heutzutage? Ich weiß es auch nicht. Die Welt scheint völlig durchzudrehen, die Menschen scheinen völlig durchzudrehen. Aus Angst vor allem. Und aus Machtgier.
Wie kann man man selbst, für sich, für seine Familie aus diesem Kreislauf ausbrechen, wie keien Angst haben um seine Kinder, um ihre Zukunft? Ich weiß es grade leider auch nicht. Mitten im persönlichen Horror stehend, wird der Horror, der Terror in der Welt um uns herum größer und größer. Ruhig bleiben, business as usual? Ich würde dir so gerne einen Rat geben können, wie das geht. Aber leider weiß ich auch nicht, wie das gehen soll. Wie kann man mutig bleiben angesichts dieser Welt? :-( 
Sei gedrückt -
Katja"

In einem Moment, in dem ich mich so einsam fühlte, hat es mir sehr geholfen, dass jemand genau so ratlos ist wie ich. Denn so viele Menschen waren scheinbar schnell in der Lage, sich auf ihre Stärke und ihren Mut zu besinnen und sich und anderen zu schwören, sich nicht klein machen zu lassen. Nicht zu kuschen. Ich war dahingehend nicht so flott und hatte einfach nur eine fiese Angst. Danke, liebe Katja, für das Verstehen, die geteilte Überforderung & Ratlosigkeit und auch für's Drücken. Nina



"Um ehrlich zu sein habe ich vor sehr vielem Angst, gerade vor Dingen, die völlig außerhalb meiner Kontrolle sind. Mein Versuch, damit umzugehen, auch, was meine Kinder angeht, ist, sie zu Menschen zu erziehen, die hinschauen, die mitdenken, aber viel wichtiger, die Gutes geben und Schönes säen. Ich denke, um nicht von dieser Angst verschluckt zu werden, ist es so extrem wichtig, sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren, auf ein menschliches Miteinander. Damit meine ich nicht, die Augen zu verschließen, denn das wäre meiner Meinung auch falsch. Man kann diese teils grausame Welt nicht ändern. Außerdem wird es nie Gerechtigkeit geben, oder absolute Sicherheit. Dafür ist die Menschheit zum Teil doch zu barbarisch. Aber man kann Gutes leben. Und dadurch Kontakt zu anderen guten Menschen bekommen. Und gemeinsam ist man oft viel stärker, als allein, versteckt unter der Decke und gelähmt vor Angst....
Ich denk an dich...
Mickymunchkin"

Mensch, wenn Du wüsstest. Genau so denke ich normalerweise auch. Wenn's mich nicht dahinrafft und ich die Orientierung verliere. Ja, es ist sehr schwierig zu akzeptieren, dass Dinge außerhalb meiner mütterlichen Kontrolle völlig schief laufen könnten, aber es gehört auch dazu, das zu akzeptieren. Und den Kindern Werte mitzugeben, die sie wärmen und schützen. Gegebenenfalls andere gleich mit.
Ich bin kein Misanthrop. Und glaube, dass es viele wundervolle Menschen gibt, nicht zuletzt, weil ich eine fast absurd große Menge von ihnen persönlich kenne. Warum mir das am Samstag nicht mehr so präsent war, keine Ahnung. Aber unbezahlbar, dass es so ist. Ich denk auch an Dich und danke! Nina



"Du Liebe, ein Abgeordneter sagte heute: Genau vor diesem Terror fliehen die Menschen zu uns. 

Wir sind aufgewachsen in der friedlichsten Phase, die diese Region der Welt jemals erlebt hat. Das hat uns und unsere Eltern gelehrt, sich sicher zu fühlen, mehr noch, sich vor allem Unbill abzusichern, dass die Policen in unseren Regalen Ordner füllen. Dass derweil fast überall außerhalb Europas und Nordamerikas Menschen sich mit Gewalt, extremer Armut und Ungerechtigkeit und Krieg auseinandersetzen mussten und müssen- genau wie das hier noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war, das haben wir ins weit weg geschoben, einige von uns engagiert in dritte Welt Läden oder ähnlichem gewissentlich verarbeitet....

Meine Kinder bekommen Kinder und es bricht mir das Herz, mir vorzustellen, dass sie Angst haben müssen; dass sie in ihrer Entfaltung gehemmt werden, dass sie ohnmächtig mit wachsendem Haß konfrontiert werden.
Bin ich deshalb eine Memme? Nein, ich glaube, dass es jedem so geht, jeder möchte ein gutes Leben in jeglichem Sinne für seine Kinder und Enkel. Jeder möchte eine unbeschwerte Kindheit für die geliebten Nachkommen. 
Wir sind ganz sicher sehr verwöhnt hierzulande. Ich liebe es, dass ich mich so verwöhnen lassen durfte in diesem Land. Aber ich spüre auch genau in welcher privilegierten Zeit wir an diesem Ort leben durften. Was nicht unser Verdienst ist, aber auch nicht unsere Schuld. Darum finde ich die Angst nicht nur verständlich, sondern normal.

Man kann diese grausame Welt nicht ändern, lese ich grade im Kommentar oben. Tja, aber man kann selbst versuchen, nicht grausam zu werden und genau dies seinen Kindern und Enkeln, seinen Schülern und Mitmenschen vorzuleben. Damit ist doch schon etwas im Wandel. Und die Ohnmacht etwas gebannt.

Sei sehr herzlich gegrüßt. Und fürchte Dich nicht. Auch wenn Du Angst hast.
Lisa"

Liebe Lisa, wenn Du wüsstest, wie oft ich Deinen Kommentar gelesen habe, weil Dein Satz, dass ich mich nicht fürchten soll, auch wenn ich Angst habe, mir durch und durch geht. Der ist jetzt in meinem Kopf und wie eine warme Decke. Immer dann, wenn das Kalte an mir hochkriecht. Dafür kann ich Dir nicht genug danken. 
Deine Gedanken habe ich mir vorher zugegeben noch nie gemacht. Wie privilegiert wir lebten ob der friedlichsten Phase der Region. Aber natürlich hast Du Recht. 
Ein Privileg war es immer, gesund zu sein, satt, gebildet, sicher. Natürlich. Aber dass das im Gesamten betrachtet eine Ausnahmesituation war, hatte ich nicht richtig präsent. Weggeschoben, vermutlich.
Angst ist normal und gesund. Aber ich mag nicht gelähmt von ihr sein und mich klein fühlen, hilflos. Meine Ohnmacht möchte ich bannen und der beste Weg ist der, etwas zu tun, da stimme ich Dir uneingeschränkt zu.
Diese wunderbaren Menschen zu sehen, die hier heranwachsen, die aufgeschlossen sind, lustig und schlau, voller Ideen und noch so sehr Kind, das tut der Seele gut. Aber auch der Austausch mit Menschen wie Dir. 
Sei feste gedrückt. Nina



"Danke für deine Worte!"

Liebe Eva, dass meine artikulierte Fassungslosigkeit jemandem etwas bedeuten könnte, war mir bei dem zaghaften Klick auf "Veröffentlichen" nicht klar. Eher kam ich mir ganz mulmig vor. So viel zeigen, so viel Nähe. Umso mehr hat es mir gut getan, dass Du offenbar ähnlich empfunden hast. Sei lieb gegrüßt. Nina. 



"Du hast es in Worte gefasst, was auch mich als Mutter am meisten beschäftigt... in welche Richtung geht unsere Welt, in was für eine Welt schicke ich meine Kinder hinaus... wir können ihnen nur mitgeben, vorleben, die Welt ein wenig besser zu machen.
Danke für diesen Post, Kebo"

Danke, liebe Kebo. Ich bin inzwischen auch wieder auf Kurs und werde genau das weiterhin versuchen. Ob es wirklich glückt, wer kann es sagen? Aber -wie ich ja auch nicht müde werde, mir selbst zu versichern- jeder Tag ist neu. Wenn ich es am einen vielleicht weniger gut meistere, das Vorleben, das Mitgeben, dann mag der nächste doch hoffentlich besser werden. So sehe ich mir auch einen schwächelnden Samstag nach. In dem ich planlos hier herum geeiert bin und mich nicht zu lassen wusste. Ganz herzliche Grüße an Dich. Nina



"Ich habe auch kein Rezept. 
Dabei kommt gleich meine Enkelin, eine Mademoiselle, und ich möchte mit ihr umgehen, frisch gemutet wie immer... Meine Angst umfasst auch dieses Kind ( und das, von dem ich gestern erfahren habe & welches meine Laune kurzzeitig heben konnte ), und manchmal haut mich das alles um und es kommt mir so billig vor, was jetzt gesagt, geschrieben, versprochen, gefordert wird. Denn eigentlich weiß ich, wie verlogen es ist, seit ich mich mit den Geschehnissen im Nahen Osten auseinandersetze ( das ist jetzt gerade zehn Monate her ).
Mach et joot ( kölsche Verlegenheitsrede )!
Astrid"

Liebes Kölsches Mädchen (und das, wo ich ja auch eins bin!), die Verlogenheit treibt mich bisweilen auch an die Grenzen der Implosion. Wie sehr wir fehlinformiert werden, dumm gehalten, wie abgestumpft schon viel zu viele Menschen sind (auf allen Seiten der Macht und des Planeten).
Da wirken manche gut gemeinte Gesten (das Gegenteil von gut ist gut gemeint?) hohl und selbstdarstellerisch, annähernd rückgratlos. Das trägt auch zu meinen Schüben von Perspektivlosigkeit bei, die Gottlob noch eher selten auftreten und sich gut bändigen lassen.
Herzlichen Glückwunsch. Euch allen. Zu einem wunderbaren Wesen, das der Mademoiselle Gesellschaft leisten wird und Freude in Euer Leben bringen. Trotz aller Sorgen. Die ich mir uneingeschränkt auch machen würde.
Alles Liebe. Nina



"Ich bin im Moment wie gelähmt. Diese schrecklichen Ereignisse waren leider vorhersehbar...es war nur nicht genau klar, wann und wo...Und genau das ist das Brutale daran...Im Moment verspüre ich eher Trauer,Wut und Trotz.
Im Netz habe ich einen schönen Ausspruch gefunden:
"Und wenn die Realität dir den Boden unter den Füßen wegzieht, wenn das Wissen, in dem du schwimmst, dich nach unten in die Tiefe zieht und dir den Atem raubt, wenn der Himmel über dir anfängt einzustürzen, dann nimm deine Hoffnung bei der Hand und laufe mit ihr bis zu den Sternen." Verfasser unbekannt.
Vielleicht kann er Dir Mut machen...
Liebe Grüße, Lotta."

Liebe Lotta, er hat mir Mut gemacht. Danke Dir sehr dafür! 
Gerade das Vorhersehbare birgt einen ganz eigenen Schrecken. Eigentlich "wartet" man förmlich drauf, dass so etwas passiert und eine derartige Pest will ich überhaupt nicht in meinem Kopf, in meinem System haben.
Hoffentlich konntest Du ein wenig Schockstarre durch gute Gedanken oder schöne Impulse vertreiben, so sehr es Makulatur für die Hardliner unter uns sein mag, aber was bleibt sonst?
Sei lieb gegrüßt, Nina



"(((Nina)))
Wir leben es vor, dass es sich lohnt. Dass es neben der Angst das Gute gibt. Dass WIR das Gute tun, tun können, jeden Tag.
Alles Liebe 
Anneliese"

Ja. Ich weiß. Liebe Anneliese, ich glaube, Du bist da vielleicht auf eine Art straighter, die ich noch besser drauf kriegen muss. Unbeirrbarer. Ich hab natürlich noch klar, was gut ist und was böse, aber mein Halt, der war auf einen Schlag perdu. Vorübergehend. Ich hab ein bisschen gebraucht, bis ich wieder am Start war. Auch mit meiner Entschlossenheit.
Alles Liebe auch für Dich.
Nina



"Oh, ja das frage ich mich auch immer wieder, in was für eine Welt entlassen wir unsere Kinder nur. Da kann man noch so Regeln lernen, Gutes und Schlechtes unterscheiden lernen, deinem Kind vertrauen, und dann kommt irgend so einer daher und alles ist futsch.
Schön zusammengefasster Post, danke.
Lieben Gruß,
Petra"

Liebe Petra, genau diese Gedanken schiebe ich gerade wieder mit Wucht aus meinem System. Die machen mich krank und lähmen bis ins letzte Atom.
Aber ja, das ist so und das bleibt so. Das Unkontrollierbare und die Willkür von irgendwelchen Vollhorsten. Schlimme Posten auf der Sorgen-Seite.
Ein lieber Gruß zurück von Nina



"Meine Liebste,

ich nehme mal den für mich festgestellten schlimmen Teil vorneweg: 
Wir können weder uns noch unsere Lieben permanent vor dem Unheil dieser Welt beschützen.
Niemals. 
Das ist eine Tatsache, an der es nix zu rütteln gibt.

Aber es gibt ja zu jedem negativen Part auch einen positiven.
Diese Angst darf sich durchaus manchmal in uns melden.
Denn sie sensibilisiert uns. Nicht in die Richtung, dass wir unsere Kinder permanent überwachen, sondern darin, dass wir ihnen aufzeigen können, was richtig und was falsch ist.
Wir können ihnen aufzeigen, dass man trotz all der Grausamkeiten in der Welt niemals davon ablassen sollte, in den anderen das Gute zu sehen.
Dass es neben all diesen Durchgeknallten unheimlich viele Menschen gibt, die Offenheit, Toleranz, Miteinander leben.
Schau dich um, meine Liebe, wie viele Menschen um dich herum kennst du, die dich und andere lieben, die offen sind für Andersartigkeit, denen Herzenswärme und Miteinander wichtig sind und die genau diese Werte an ihre Kinder weitergeben?
Ich denke, dir fallen da ganz, ganz viele ein.
Und wenn du all jene fragen würdest, wie viele sie kennen, würden auch sie jede Menge Menschen kennen.

Ja, mag sein, vielleicht lebe ich etwas blauäugig, vielleicht ist es aber auch mein fester Wille, dass diese Gewalt niemals unsere Seelen, unser Leben derart erfassen kann oder darf, wie diese Radikalen es sich wünschen! DAS möchte ich meinen Kindern vermitteln.
Dass es Menschen gibt, die an das Gute glauben, die das Gute leben, jeden Tag, immer und immer wieder, egal wie viele schlimme Dinge passieren.

Auch mir wird das manchmal zu viel, die Aufgabe scheinbar zu groß, aber ich mag einfach nicht daran glauben, dass die Welt so schlecht ist, wie sie sich gerade in Paris gezeigt hat.
Ich bin mir sicher, die Welt ist nicht dieser Teil von Paris, Utøya, Syrien, Krim.

Die Angst, sie darf uns erfassen, uns durchaus auch erschüttern in unserem Glauben, in unserem Herzen, um uns dann gestärkt weiter zu schicken. Aus der Angst eine Stärke werden lassen, um unseren Kindern zu zeigen, dass die Welt, die ihnen auch gehört, durch uns, durch sie eine gute werden/bleiben kann, wenn wir und sie alles daran setzen.

Und ich möchte dir, meine Beste, in all deine Fragen, in all deine Ängste, in all deine Verzweiflung hinein, sagen, dass du eine wunderbare Mutter bist, die genau diesen Weg bisher trotz aller persönlicher Schwierigkeiten bravurös gemeistert hat.
Auch wenn gerade eine große Portion Unsicherheit und vielleicht auch Mutlosigkeit mitschwappt in diese Zeiten - ich bin mir sicher, dass wir das Lachen nicht verlieren werden. Nicht verlieren dürfen, für all die, die noch an eine gute, friedliche Welt glauben - für unsere Kinder!

Ich drücke dich von ganzem Herzen!!!
Deine Freundin Katja"

Ach. Meine Katja. Was bin ich glücklich über Dich in meinem Kosmos. Unfassbar gute Frau, Du. Bist für mich da, on- und offline, hast Kapazitäten für meine Kapriolen frei, obwohl Du selbst eigentlich randvoll bist mit so viel, das das Leben von Dir erwartet. 
Danke.
Und viel Wahres schreibst Du. Natürlich kenne ich eine (wie oben schon einmal erwähnt) unfassbar große Menge wundervoller Menschen. Die einen den Glauben nicht verlieren lassen, weil sie offen sind, nicht wertend, sich nicht erhebend. Weil sie Wärme geben und Herzlichkeit. Freunde sind. Gutes tun, ohne sich dadurch positionieren zu wollen, sondern einfach, weil sie es selbstverständlich finden.
Wir beide lachen weiterhin miteinander und hoffentlich noch lange und genau so mit ganz vielen anderen liebenswerten Personen um uns herum.
Du bist mein Schätzchen. Und ich hab Dich lieb.
Deine Freundin Nina



"Mögen unserer Herzen nicht hart werden. Das wäre das Schlimmste. Erschüttert und traurig, und im Herzen doch voller Hoffnung und Zuversicht grüßt dich Ghislana"

und

"Ja, Mama bleibt Mama, und dann wird man auch noch Oma - Zuversicht und Hoffnung fassen, das ist alles andere als Gleichgültigkeit und Ignoranz. Akzeptieren müssen, dass man zwar vorsorgen und vorsichtig sein kann, aber das Leben nicht in der Hand hat. Lieben Sonntagsgruß Ghislana"

Liebe Ghislana, mein Herz war derart weich, dass ich befürchtete, es flösse mir aus dem Körper. An Tagen wie Samstag bin ich so klein, bedürftig und unterkühlt, dass ich nur auf den Arm möchte. Und das als Mutter und Alphatier eines kleinen Volkes. Nun ja. Kein Glanzstück, aber wie schon weiter oben gesagt, sich solche Tage (die immer noch in der Minderheit sind) nachzusehen und den nächsten mit etwas mehr Kontur anzugehen, gehört dazu.
Verhärtung ist generell ein Problem. Ja.
Ihr entgegen zu wirken im Rahmen unserer Möglichkeiten und in unseren individuellen Schaffensräumen, ist eine große und endlose Aufgabe. Aber ich möchte hoffen und klöppele an meiner Zuversicht. Jeden Tag neu.
Sei gedrückt, Du Liebe. Nina



"Hallo Nina

Die Angst ist wohl immer da, mal mehr mal weniger, was auch mit dem Urvertrauen zu tun hat, mit dem du und deine Kinder hoffentlich geboren wurden. Es ist gut, dass wir Angst haben. Sie lässt und in Gefahr Reissaus nehmen oder erst gar nicht hingehen. Aber dann, wenn die Bedrohung nicht unmittelbar ist, soll sie uns im guten Fall zum Nachdenken bringen. Wir müssen über Angst nachdenken, damit sie nicht unser Handeln bestimmt, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber. Du machst genau das.

Und dann noch was in eigener Sache: Ich habe gemeint, wenn meine Kinder erwachsen sind, würde dann die Sorge um sie kleiner wird. Und jetzt merke ich, dass in dieser Hinsicht Mama sein nie aufhört. Mama bleibt Mama, Sorge bleibt Sorge, Vertrauen bleibt Vertrauen. Ich habe ab und zu (nicht allzu oft) schlaflose Nächte, um dann bei Tageslicht meine Zuversicht wieder zu finden. Alles Gute!"

Liebe Regula, ans Nachdenken hat mich die Angst nicht zum ersten Mal gebracht und doch, sie saß sehr tief und ich muss(te) einen Teil davon auch in das Tal des seligen Vergessens verschieben, denn bearbeiten und an einen abgeklärten Punkt kommen, das übersteigt mich.
Sie soll mich nicht lenken und abhalten von Schönem, irritieren oder gar von den Wegen abbringen, die die Kinder und ich uns miteinander erarbeitet haben.
Ein Leben lang Mutter ... ich hatte es befürchtet :-)
Ganz herzlichen Dank für Deine Worte und herzliche Grüße. Nina



"Liebe Nina!
Fühl dich aus der Ferne gedrückt! 
Angst ist ein Teil unseres Lebens und bewahrt uns vor evtl. leichtfertigen Dingen. Sie darf nur keine Macht über uns erlangen und uns an Dingen hindern, die uns eigentlich Freude machen und das Herz erwärmen würden. 
All die Gedanken nach den passierten Ereignissen sind normal und sie sind richtig. Niemand kann uns eine Garantie für irgendwas geben. Aber ich wünsche dir, dass du auf dein Herz und deine innere Stärke hören und vertrauen kannst. Mach das, was du tun kannst und genieße die Gegenwart. Dann wird die lähmende Angst nach und nach hoffentlich kleiner werden. 
Ganz liebe Grüße,
Frauke" 

Zurückgedrückt sowieso, ist klar, oder?
Die Gegenwart zu genießen ist eine hohe Tugend. An der feile und werkele ich schon so lange, dass es fast ein Automatismus geworden ist. Und sooo schlecht klappt es gar nicht. 
Aber Tage wie Samstag sind schon ein Rückschritt. Den Glauben zu verlieren, und sei es nur kurzfristig, in das, was Menschen Gutes sein und bewirken können. Dabei ist es nur eine Handvoll Antikörper, die das Miteinander schwächen wollen. 
So gesehen eine echte Anmaßung.
Das sollte ich dauerhaft im Fokus behalten.
Und auf unser Glück vertrauen.
Beste Grüße von hier nach da, Nina



"Liebe Nina,
Angst ist überlebenswichtig. In gesundem Maße. Und genau wie Glaube, Liebe, Hoffnung und Freude gehört sie zu unserem Leben. Mal nimmt sie mehr Raum ein, weißt du noch, als deine Kinder das erste mal alleine zur Schule gingen?,ich bin vor Sorge gestorben. Bis ich gemerkt habe, ich muss loslassen lernen. Nun ist das Kind bald 16 Jahre und Drogen und andere ekelige Dinge locken. Aber ich habe festgestellt, dass ich ihr ein gutes Gerüst mitgegeben habe und ich ihr und nicht meinen Ängsten vertraue. Also lass ich die Angst nicht mein Leben bestimmen. Sie ist da und schläft hinterm Ofen. Wie ein alter Hund, der sich meldet, wenn es wirklich nötig ist. Die Welt ist im Wandel und es wird noch viel passieren, was wir sicherlich nicht möchten und was uns aus unserem "guten" Leben wachrüttelt. Aber es ist das Ungewisse, das wir fürchten. Das wir nicht schnell genug reagieren können oder schlimmstenfalls gar nicht reagieren können. Mir fällt hier immer wieder das Satz ein "Angst essen Seele auf". Und meine Seele lass ich mir nicht auffressen.
Eine feste Umarmung Ninchen
und der Angst ein Lachen zeigen (und die Zähne ;-) )
Claudia"

Liebe Claudia, ein Freund von mir zitierte ebenfalls dieses "Angst essen Seele auf" und ja, das ist genau, was sie tut. Und nein, meine bitte auch nicht.
Es fällt mir nur schwer, weil ich, wie ja auch dargestellt, ohnehin dazu neige, mir einen "Kopp" zu machen. Eventualitäten als schnelle Bildfolge einfach so vorbei rauschen zu lassen, ohne dass ich sie eingeladen hätte dazu. Und natürlich Katastrophenszenarien! Was sonst ...
Der alte Hund. Was für ein schönes Bild.
Ich muss mir das aneignen lernen. Und nicht das Gefühl haben, an solchen Tagen, es wäre kein räudiger Köter hinter dem Ofen sondern eine Stube voller Tretminen.
Ich umarme Dich feste. Und hab das "Ninchen" so genossen. Ist wie im Kindsein. Und genau diese Art von Zuwendung habe ich am Wochenende dringend gebraucht.
Alles Liebe für Dich. Nina


Anonym 

"Hallo Nina, Deine Ängste kann ich als Mami sehr gut nachempfinden. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie es sich als Kind anfühlt gedemütigt und misshandelt zu werden und dabei die Sicherheit zu verlieren. Es benötigte Jahrzehnte nicht mehr in einer Opferrolle zu sein und weniger Angst zu haben. Gelernt habe ich: Wenn Du Angst hast, sind dementsprechend die Gedanken. Meistens kommt es aber nicht so schlimm oder zumindest viel anders als in der Vorstellung. So oft hatte ich Angstzustände und musste zur Beruhigung Tabletten nehmen. Heute versuche ich meine Angst zu steuern, indem ich mir immer wieder vorsage "Habe erst Angst, wenn es konkret ist". Für mich passt das so. 
Was unsere Kinder anbelangt: Hab Vertrauen in Deine Kinder, dass sie es schaffen und aushalten. Auch Du warst ein Kind und hast es geschafft. Kinder sind viel stärker als wir Erwachsene ihnen manchmal zutrauen. In Liebe und Geborgenheit aufzuwachsen mit dem Wissen, dass die Eltern da sind, gibt ihnen einen guten Boden unter den Füssen."

Hallo Du, mir gibt der Satz "Hab erst Angst, wenn es konkret wird" sehr viel. Wobei ich dazu neige, Extremszenarien planen zu wollen. Doof, schon klar. 
Dennoch - einen vagen Plan B im Kopf zu haben - also, wenn es hart auf hart kommt, dann machen wir dies oder das, kann auch beruhigend wirken. Wie eine Rückversicherung, dass es immer einen Weg gibt. Unbequem vielleicht, nicht wie gewünscht, nicht wie am Reißbrett entworfen oder im BarbieLand, aber man ist nicht machtlos. 
Ich vertraue meinen Kindern, aber sie sind eben noch nicht annähernd erwachsen oder eigenverantwortlich. Die Beschützerinstinkte entsprechend also riesengroß. Meine.
Regula sagt weiter oben, dass man nie aufhört, sich zu sorgen, das ist bestimmt so, auch wenn ich natürlich tief drin die Hoffnung habe und nähre, dass es nachlässt. Auf wundersame Weise. Ein Irrglaube, fürwahr. Egal. Ich halte noch ein bisschen dran fest.
Und danach möchte ich es am liebsten wie Ghislana sehen, hoffnungsfroh und zuversichtlich.
Sei lieb gegrüßt. Es freut mich zu lesen, dass Du Deine Geschichte für Dich so umsetzen konntest, dass sie Dein Heute nicht mehr verdunkelt.
Danke für Deine Worte. Und das Teilen einer so persönlichen Sicht auf die Dinge.
Nina



"Ja, Angst essen Seele auf. Und da nützt das lauteste Pfeifen auch nichts. 
Ich bin in dieser Hinsicht ja eigentlich eher pragmatisch unterwegs und habe familiär ein dickes Fell antrainiert bekommen, aber auch ich merke sie deutlich, diese Angst ums Kind, um die Familie, um das kleine glückliche Leben.
Mir gelingt es zum Glück ganz gut, immer wieder rauszukommen- an diesem Wochenende half mir dabei eine Einladung zum Schlachtessen (*blärch*- die semi-vegetarische Variante geht, aber der Geruch! Da hilft nur viel Alkohol.), ein mehrstündiger Kassendienst beim Kinderkleiderbasar, ein Martinszug, ein Whiskytasting (wiederum sehr wenig Alkohol, dafür sehr genussreich), ein Familiensonntag mit Kucheneinladung und Nachrichten/Social Media nur am Rande. Keine Zeit also für Berichterstattung und ich war froh drum.
Ich kann mich noch sehr gut an die Erstarrung und das furchtbar tiefgehende Entsetzen erinnern bei 9/11. Ich konnte keine Nachrichtensendung abschalten, aber trotzdem war das ja so weit weg, nicht wirklich nah.
Paris ist so nah. Ich habe mir nicht mehr Nachrichten angeschaut als sonst, ich will keine Augenzeugenvideos sehen, die Namen der Attentäter interessieren mich nicht (man sollte sie nur bei diesem einen Namen nennen: die Attentäter. Ein eigener Name wäre zuviel Vermenschlichung. Sie haben sich mit ihrer Tat aus dem Kreis der fühlenden Wesen selbst herausgeschossen, es steht ihnen nicht zu einen Namen zu haben. Sie sollen der ewigen Vergessenheit anheimfallen.)
Ich habe auch mein Profilbild nicht geändert, kein Hashtag, kein Irgendwas. Trotzdem denke ich ständig an die Menschen dort.
Hier können wir etwas bewirken. Wir können die Flüchtlinge aufnehmen, sie integrieren, ihnen echte Bildung zukommen lassen, sie behandeln wie Müller und Schulze auch, und dann, nur dann haben wir eine Chance, das sich so etwas hier in unserem Umfeld nicht wiederholt.
Die Attentäter waren Franzosen. Geboren und aufgewachsen in Frankreich. DAS macht mir tatsächlich am meisten Angst.
Hab es schön, geniess deine Kinder. Und die Katzen. Wir haben nur dies eine Leben, es lohnt nicht es an die Angst zu verschwenden.
Fühl dich gedrückt, schön von dir zu hören.
<3
Doro"

Liebe Doro, 
bewegte Bilder habe ich komplett gemieden. Das ist nicht schwierig, denn der Fernseher läuft hier auch ansonsten nicht. Genau so wenig wie das Radio.
Mir sind das schon in guten Zeiten zu viele Reize. Zu viele Bilder und Worte, die mir in Hirn und Kleidung haften bleiben und die ich in dieser Geballtheit nicht verarbeitet bekomme.
Umso schrecklicher mir vorzustellen, was dort am Wochenende gezeigt wurde. Ich wollte es nicht sehen. 
Die Wirkung war auch ohne wie im September 2001. Und ja, viel näher, geographisch. 
Der Schrecken sass in allen Knochen und ich wäre froh gewesen um einen so abwechslungsreich befüllten Terminkalender, wie Du ihn hattest.
So habe ich ein bisschen hier und ein bisschen da einfach "stabil abgehangen" (wie meine Freundin Sabine so sagt) und mir die Ruhe angetan. Plus Gespräche. Seelenpflege, auf eine Art.
Wir können jede Menge bewirken, davon bin ich auch überzeugt. Und dennoch, so ein bisschen ist es wie bei Terminator 2, manch einer sieht nur aus wie ein Mensch und hat tatsächlich kein Herz und kein Blut unter seiner Haut, sondern eine Titanlegierung. Ob ihm das ein Namensrecht abspricht oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, aber diesen Wesen, die wie Menschen aussehen, fehlt jede Empathie. Sie sehen ihr Gegenüber - je nachdem, wer es ist - auch nicht als Lebewesen mit Gefühlen und einer Familie an. Nur warum nicht? Wann ist das abhanden gekommen? Wie wird man so? Ich begreife das nicht.
Sei umarmt, ich drücke Dich dolle.
Nina



"Liebe Nina, 

angesichts der sowohl inhaltlich als auch grammatisch empörenden Mitteilung "Ihr Darf höchstens 4.096 Zeichen umfassen-Code kann nicht übernommen werden" habe ich das, was ein offenbar GANZ LEICHT ausufernder Kommentar werden sollte, dort hingetan:

https://kleineviecher.wordpress.com/2015/11/17/kommentar/

Sei fest umarmt. Hab keine Angst oder nimm sie zumindest ein bisschen in den Arm, die Angst, wenn sie sich nicht beruhigen kann. Schlaf gut. Ich hab Dich lieb.

Maike"

Maike, meine Maike.
Eine Gänsehaut habe ich. Wieder und wieder, wenn ich lese, was Du schreibst. Wie viel von Dir Du gibst, um mir etwas Gutes zu tun.
Und an so vielen Stellen bin ich so bei Dir. Nicht so entschlossen wie Du, nein, dafür fehlt mir sicherlich ein Hauch Deines "Fatalismus".
Aber ich verstehe gut, was Du sagen möchtest und es hilft mir.

Eine Stelle möchte ich hier hineinkopieren, aber lesenswert ist jedes Wort.

Statistisch ist die Gefahr, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen, nahezu nichtig. Die Destabilisierung, die sie damit erzielen, diese armseligen Geschöpfe, bleibt abzuwarten. Diese Destabilisierung jedenfalls findet zuallererst in unseren Köpfen statt, ehe sie sich statistisch wirksam manifestiert.
Jede Sekunde meiner Angst ist eine Sekunde, in der sie von mir bekommen, was sie wollen.

Maike, das ist ein solches Mantra. Ich danke Dir.
Danke für Dich und  Deine Worte, heute und immer. Danke für Deine Freundlichkeit, Dein Ver-/ Zutrauen und Deine Wärme. Du bist ein wunderbarer Mensch.

Und ich um eine Antwort verlegen, die Dir und Deiner Mühe mit mir auch nur annähernd gerecht wird.

Zurückliebgehabt.
Danke.
Nina


°°°°

Kommentare:

  1. Ein wenig musste ich jetzt lächeln... so wenige Worte sind unüblich für mich. Aber mir hat es einfach die Sprache verschlagen. Es tat gut sie bei dir zu lesen.

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  2. Ach liebe Nina...ich bin sprachlos...Du bist ein ganz wunderbarer Mensch. Auch wenn die aktuellen Ereignisse nicht wirklich Mut machen, wir müssen aufrecht gehen...für unsere Kinder. Alles Liebe. Lotta.

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    1. Ich habe übrigens mittlerweile durchaus Angst...nicht um mich persönlich...nicht mal unbedingt um meine Familie. Aber es zeigt sich, dass der Anschlag in Paris aus Sicht der IS...so zynisch das klingen mag...gescheitert ist. Es sollte nach deren Vorstellung viel mehr Tote geben...im Stadion...Zehntausende...Sie werden nicht Ruhe geben...befürchte ich. Ich habe Angst, dass weitere Menschen in Europa sterben müssen...viele. Und diese Angst ist ziemlich real. Was kann man tun? Ach liebe Nina...was sind das für Zeiten...Liebe Grüße, Lotta.

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  3. :) Ich finde es übrigens sehr mutig und gut, dass du so offen schreibst! Denn das macht erst Kontakt wirklich möglich.... Ich denk an dich...
    Mickymunchkin

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  4. Hallo Liebelein,
    wie schön, dass Du Dich überwunden hast und Deine Gedanken hier mitgeteilt hast!
    Und nicht nur Dir helfen die guten Kommentare, auch mir und sicher noch den ein oder anderen Lesern.
    Als damals die Flugzeuge in die Türme rasten, war auch bei uns Ausnahmezustand. Von wegen weit weg - mein Mann hat eine Woche zuvor noch dort ein Geschäftsessen gehabt und ist an diesem Tag sofort aufgestanden und nach Hause gekommen, aus Frankfurt raus. Und trotzdem können wir uns meist an das Motto halten, dass wir uns nicht über etwas aufregen, was noch nicht eingetreten ist, Durchdrehen wegen Gefahren, die eventuell nie eintreten.
    Ängste habe ich trotzdem, klar, aber die habe ich immer. Jeden Tag ist mir bewusst, dass es der letzte sein könnte, für mich oder für andere. Wenn ich wieder irgendwo lese, dass uns das mehr bewusst sein müsse, denke ich jedesmal - nein, ich wünschte mir, mal einen Tag nicht daran zu denken! Depressive Phasen akzeptiere ich im Wissen, sie gehen wieder vorüber. Aber ich weigere mich, panisch zu werden. Fernseher und social Media nur im erträglichen Maß und ansonsten konzentriere ich mich auf meinen kleinen Kosmos. Unser Familienleben. Meine Möglichkeit, Liebe zu leben, zu vermitteln, mit meinen Möglichkeiten Gutes zu tun und meine Meinung auch gegen Widerstände zu vertreten. Den Kindern im mir möglichen Rahmen Sicherheit zu vermitteln und Vertrauen, Glaube, Hoffnung darauf, dass es n i c h t schlimmer wird. Wie kann man in die Welt hinausrotzen "das ist erst der Anfang, das wird noch viel schlimmer, Ihr werdet schon sehen, Ich habs doch gesagt,die Flüchtlinge, Danke Frau Merkel..." - hilft das? Nein, das hilft nicht. Und ist oft so daneben, dass ich diese Reaktionen fast noch bedrohlicher finde als die aktiven Radikalen.
    So, und jetzt hör ich auf Dich und mach es uns schön. Für unsere kleine meist heile Welt in der limeslounge wird jetzt Kuchen gebacken. Und gegessen, genossen, gelacht.
    Ätsch, Ihr Arschlochterroristen.
    Dir meine liebsten Grüße, von Trulla zu Trulla

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  5. Nur kurz. Dieses auf und ab der Gefühle haben wohl viele in sich. Danke, dass du sie aufschreibst und diesen schönen Dialog daraus gemacht hast.
    Liebste Grüße
    Eva

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  6. Liebe Nina,
    was für ein phänomenal schöner zweiter Teil - wie sorgsam und liebevoll Du auf alle Kommentare geantwortet hast.
    Weißte - Du gehörst ja auch zu denen, die mir Mut machen. Musst Du gar nichts Bestimmtes tun, musst Du nur sein, wie Du bist. So viel Liebe und Achtsamkeit, das macht mir selbst dann Mut, wenn es Dich gerade vor Angst schüttelt. Einfach weil der Feindseligkeit, die viele Leute umtreibt - und ich habe selbst leider eine gewisse Neigung dazu -, dieser wunderbare Kontrapunkt entgegengesetzt wird. Weil Du in Deiner Angst einfach Angst hast, sie aber nicht blind und zornig in Angriffen artikulierst, sondern sie Dir eingestehst als das, was sie ist, und sie zu ertragen versuchst, indem Du sie aussprichst, indem Du Dich mit anderen Menschen austauschst. Das erdet mich, die ich manchmal so wütend werde, weil ich keine Angst haben will. Und es macht mich so froh, weil es genau das ist, was wir alle brauchen: Herzensgüte. Altes, dummes, kitschiges Wort, sorry, aber es ist nun mal das einzige, was es erfasst. Es sind andere Menschen, die das Leben wirklich lebenswert und wunderbar machen (für einen Menschen - einer Möwe dürfte das alles ganz egal sein ;) ) - und dass Du da bist und Angst hast und Mut zusammenklaubst und Deine Kinder liebst und Dir Gedanken um Plastikmüll machst und Dir wünschst, dass alle Menschen ein schönes Leben haben, das macht mir sehr viel Mut, weil die Menschheit so viel mehr hervorzubringen imstande ist als dummen, brutalen Terror und Hass und Feindseligkeit. Nämlich Freundlichkeit, Liebe, Vernunft. Und das blüht und lebt auch in "interessanten Zeiten", notfalls im Verborgenen, noch viel schöner aber ganz offen und sichtbar.
    Ich gebe den Dank also zurück - auch Du hast mir sehr geholfen. In diesem Augenblick nicht im "Akutfall", aber ganz langfristig, so eine kleine, immerwährende Dosis Glauben an die Zweibeiner.

    Maike

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  7. Ich mag dich so gerne. Das wollte ich jetzt auch mal sagen.
    Und ich füge noch hinzu, dass ich etwas ins Nachdenken gekommen bin, als ich bei meinem letzten Hilfseinsatz gestern Vormittag in eine Schlägerei geraten bin. Ins Nachdenken über mich.
    Ich kann leicht entschlossen sein, weil ich aufgrund meiner eigenen, persönlichen Geschichte, von der du weißt, ein bisschen weniger mit Gefühlen zu tun habe als die meisten.
    Da kann ich leicht reden.

    Alles Liebe
    Anneliese

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  8. nur kurz! ich drück dich aus hamburg! deine anja

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  9. Liebe Nina,
    was für eine berührende Fortsetzung. Und auch schon das mitlesen, ohne direkt angesprochen worden zu sein, hilft mir.
    Aber ich bin ja eher der "Krawall- Typ" :) Ich WILL EINFACH NICHT, dass dieser Terror mein Leben hemmt, wengleich ich ihn niemals ausblenden werde, da er jetzt leider zu meinem Leben dazu gehört. Aber ich halte es mit den Ärzten: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt!"
    Und so stcke ich denn Kopf nicht in den Gartenmatsch, sondern backe außer der Reihe einen Opa- Zitronen- Geburtstagkuchen, rede mit den Kindern- und feier mit ihnen, dass wir uns haben und dass wir es hier so wunderbar haben. Und dann denken wir nach, wie wir anderen davon abgeben können. Denn wir machen weiter, auf jeden Fall!!!!!!!!
    Mit den besten Wünschen für dich und lieben Grüßen,
    Tanja

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  10. Meine Liebe,

    du bist großartig!

    Und von wegen Samstage wie dieser sind ein Rückschritt.
    Nein: Ängste zu zeigen, vermeintliche Schwäche zu offenbaren sind kein Rückschritt, sie sind zu tiefst gelebte Menschlichkeit. Und schaffen ... tatatataaaaaaaa ... viel besagte Zwischenmenschlichkeit. Sieh sie dir doch an, all jene Kommentatoren, die wie du vielleicht Ängste haben, die Mut haben, die schwanken und die, die gerade stehen, wegen einem "Jetzt erst recht!".

    Es sind all Jene, die ich meinte. Die, die uns immer wieder werden lachen lassen in die größte Schockstarre hinein.
    Du bist nicht allein.
    Nicht mit der Angst.
    Nicht mit der Freude.
    Nicht mit der Schockstarre.
    Nicht mit ausuferndem Lachen.

    Ist das nicht wunderbar?!

    Wir können gemeinsam die Stirn bieten und uns nicht unterkriegen lassen, auch wenn jeder einzelne von uns so leicht verwundbar ist.
    Ich hoffe, dass sich diese Herzenswärme überall und fortwährend wie eine warme Decke um dich legt, wenn dich die Angst erkalten lässt.

    Fühl dich herzensgewärmt in dieser manchmal so doppelt schweren Zeit, du bist und blebst nicht allein!

    Deine Katja

    PS:

    Das Plan B in petto haben, ist meines Erachtens grundrichtig und kann im Extremfall Leben retten.
    Neulich habe ich einen Bericht über Piloten gelesen. Sie werden immer wieder am Simulator darauf getrimmt, einen Flugzeugabsturz zu meistern. Sie erleben ihn quasi so oft, dass sie ihn, zumindest so lange sie technisch gesehen dazu in der Lage sind, psychisch durchstehen können.
    Und ich gebe zu, ich gehe ganz oft verschiedene Situationen durch, habe mir neulich überlegt, was ich tun würde, würde ich in eine Schießerei oder Ähnliches gelangen und hoffe, dass ich für den allerschlimmsten Fall dann auch noch in der Lage wäre, mir meine stetig vorgestellten Horrorszenarien umzusetzen.
    Ich bin mein eigener Pilot, muss mein Flugzeug alleine durch´s Leben lenken, also übe ich wie die Großen auch, für bestimmte Situationen vorbereitet zu sein - immer in der stillen Hoffnung, niemals in derartige Lebenslagen zu kommen!

    Aber ich halte es auch wie Maike, deren Kommentar ich mir durchgelesen habe und sogar dabei lachen konnte (DANKE Maike!!!):

    "Fuck you, IS. Ehrlich. Wir sterben alle mal, das ist nicht das Schlimmste, was uns zustoßen kann. Wie wir leben ist viel entscheidender als die Frage, wann und wie wir sterben. Ich werde mich von verirrten, gewalttätigen Idioten nicht zu einem Menschen machen lassen, der ich nicht sein will. Ich schenke ihnen so wenige Sekunden wie nur möglich, den blöden Affen. Sie sind auch nicht schlimmer als Krebs, ein Tsunami oder ein in ungünstigem Moment aus dem Fenster fallendes Klavier."

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  11. Liebe Nina,
    gerade Lisas wunderbarer Einwand, dass unsere Generation in einer absolut privilegierten Situation aufgewachsen ist, finde ich ganz wichtig. Mir fällt in dieser Woche in vielen, vielen Blogs auf, wie wenig Geschichtsbewusstsein vorhanden ist, wie wenig Interesse an politischen Zusammenhängen bzw. Information darüber, auch wie wenig Bewusstsein davon, dass ICH mitwirken kann & muss.
    Die von mir verehrten Indianer haben bei wesentlichen Entscheidungen sieben Generationen zurück und sieben Generationen voraus gedacht. Mein Vater war in seiner Altersweisheit ein solcher Indianer geworden.
    In all unserer Saturiertheit haben wir ganz, ganz viel vergessen und meinen abgesichert zu sein durch Versicherungen & Wohlverhalten. Das, was wir momentan an Friede & Wohlstand haben, basiert nicht auf UNSEREM Verdienst....
    Den Blick aufrichten, zuwenden, den Menschen wie der Welt...
    Herzlichst
    Astrid

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  12. Liebe Nina,

    ich danke Dir für deinen wundervollen Beitrag, die tröstenden Worte auch in den Kommentaren! Es tut mir gerade unheimlich gut, zu lesen, dass auch andere diese Ängste haben wie ich und wie man damit umgehen kann. "Angst essen Seele auf" das war ein Filmtitel, der mich immer sehr beeindruckt hat. Diese vier Worte begleiten mich schon seit langem und sind für mich der Inbegriff dessen, was Angst mit uns machen kann. Machen KANN! Denn, der Satz macht mich gleichzeitig auch unheimlich trotzig... Jetzt erst recht, du isst meine Seele, meine Wärme, mein Lachen nicht auf, Angst! Das gelingt mir mal mehr, mal weniger gut. Es gibt leider kein Patentrezept gegen Angst außer vielleicht eine Art Akzeptanz und Koexistenz mit ihr zu führen. Und das, was du gezeigt hast, hilft mir auch unheimlich: Ich bin nicht allein mit meiner Sorge als Mama um das Wohlergehen meines Kindes. Erst jetzt verstehe ich sie diese Mutterliebe, die nicht einengen und Leichtigkeit schenken will, aber auch das Liebste auf der Welt vor Gefahren schützen möchte.

    Ganz ganz liebe Grüße!

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  13. hallo Nina..
    dein Beitrag und auch die Komentare dazu haben mich sehr berührt.Ich bin in einer armen,aber glücklichen Zeit aufgewachsen,wir hatten nicht viel aber uns.
    Kein Fernsehn,kein Telefon,der Schrecken der Welt blieb fern,er brauchte Tage,wenn nicht sogar Wochen um in unser Bewusstsein zu dringen.Heute ist auf Knopfdruck alles präsent auch aus den entferntesten Gebieten nah und in Großaufnahme.
    Ich bin in einem "Urvertrauen" aufgewachsen,alle Menschen sind gut und denken so wie ich,meine Mutter warnte mich manchmal aber ich erlebte dass die Leute mir so entgegen kamen wie ich ihnen begegnete.Erst spät lernte ich dass es auch Schlechtigkeit gibt.
    Ich kann nicht sagen dass ich direkt Angst habe,aber oft ein tiefes Unbehagen.
    Ich habe 3 Enkel und mach mir um ihre Zukunft schon Gedanken.Am meisten erschreckt mich aber die Sichtweise vieler die in meinem Alter sind.Sie haben Angst um ihre Privilegien:"Von mir bekommt keiner was,ich hab mein Lebtag für alles geschafft.Die (Flüchtlinge)sollen bleiben wo sie sind und auch schaffen"Wenn ich dann frage ob es unser Verdienst ist dass wir im Wohlstand geboren sind und was wir wohl machen würden wenn wir z.B. in Syrien leben müssten unter Terrror und Angst um das Leben,da schauen sie mich nur komisch an.
    Wir können leider nicht viel tun,es wird in den Medien fast nur das Schlechte dokumentiert.Zeigen wir unseren Kindern und Enkeln dass es auch anders geht,dass man einen Menschen erst kennen lernen muss ,egal welcher Nationalität , ehe man beurteilen kann ob er gut oder schlecht ist.Dass man miteinander leben kann.
    Die Bedrohung durch Terror ist relativ gering bei uns aber die Bedrohung von "innen" durch Hass und Aufhetzung ist allgegenwärtig.
    Die Vergiftung der Seelen nimmt leider zu und man kann dem nur mit ganz viel Liebe entgegenwirken.Ich wünsche dir alles Gute und dass deine frohen Zeiten die ängstlichen und traurigen überwiegen
    liebe Grüße

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