Samstag, 14. November 2015

Hab keine Angst, mein Kind.

Bevor ich Mutter wurde, beschäftigten mich Gedanken aus meinem Erfahrungsschatz, eine Mischung aus selbst Erlebtem, selbst Gefürchtetem und natürlich dem, was durch andere Menschen an mich heran getragen wurde.

Würde das Kind gesund zur Welt kommen? Könnte ich es begleiten und aufziehen, wie es richtig wäre (was auch immer "richtig" bedeuten mag)? Könnte ich überhaupt einen solch großen Schritt weit weg von meinen eigenen Bedürfnissen und meinem Egoismus bewerkstelligen? Oder vielleicht mit Schrecken feststellen, dann, wenn es schon "zu spät" ist, dass ich es nicht kann?

Und was dann?

Wenn wider Erwarten dann diese Dinge doch irgendwie funktionieren, dürften wir in Ruhe leben? Würden wir gesund bleiben? Gemeinsam sein, bis die Kinder erwachsen sind, oder würde jemand aus unserer Mitte gerissen durch Krankheit, Unglück, den bösen Willen fremder Menschen?

Könnte ich meine Kinder beschützen?

Kann ich der Justiz unseres Landes vertrauen? Kann ich mit Fug und Recht sagen, jede Straftat wird immer gesühnt, so, wie es "gerecht" erscheint? 

Könnte ich, vom Extremfall ausgehend, und sei es beobachtend, weil der Einschlag in unserer Nähe stattfand, der Hypothetische, der Gefürchtete, der, der in meine Träume kriecht, wenn ich nicht gut aufpasse, den ich trotzdem von den Kindern fernhalte, um nicht auch sie zu beschweren damit, könnte ich sagen, sie sollen keine Angst haben?

Könnte ich sagen, dass Angst lähmt und beschwert, uns die Freude am Leben nimmt, uns die Unvoreingenommenheit, die Offenheit, die Wärme in der Betrachtung, das Glück gleichmäßig mit einem monochromen Filter überzieht, uns unser Leben klein macht, unsere Spielräume zu Druckkammern werden lässt?

Wo ich doch selbst bisweilen so schlecht herausfinde aus meiner Angst?

Ich stehe hier heute und meine größte Angst ist die, meine Kinder nicht beschützen zu können.

Vor dem, was schon immer war. Krankheit, Willkür, Bösartigkeit, Gewalt, Ungerechtigkeit, Schmerz. Die großen Dinge. Nicht vor schlechten Erfahrungen im Allgemeinen, das gehört zum Spiel dazu, natürlich. Das gehört auch zum Gedeihen und einige meiner wertvollsten Erfahrungen, die, die mir Dinge plausibel gemacht haben und mich haben wachsen lassen, waren die Schmerzhaftesten unter ihnen.

Es kommt der Moment, in dem ich am liebsten nichts mehr wüsste. Nicht wüsste um so viel Brutalität in einer Sinnlosig- und Wahllosigkeit, verteilt -wie letzte Nacht in Paris- auf Menschen, die das Leben genießen wollten, einfach so. Die niemandem Leid zufügten, sondern Musik hören wollten, eine Tasse Kaffee, ein gutes Essen, das Miteinander.

Wie lasse ich meine Kinder hinaus in die Welt?

Wo bekomme ich, deren Königsdisziplin die Entspannung ohnehin noch nie war, die aber über die Jahre als Mutter einen ganz guten Flow und ein Gleichgewicht erlangt hatte, meine Leichtigkeit wieder her, mein Kind in die Welt zu entlassen und zu sagen:

"Hab keine Angst, mein Kind." ?

Ich weiß es nicht.

Zum Heulen ist mir und das nicht nur aus dem egomanen Ding heraus, dass an meine Kinder etwas drankommen könnte. Sondern im Gedanken an alle Kinder, die in dieser Zeit heranwachsen, die selbst Kinder bekommen möchten, wenn sie erwachsen sind. Die sich eine Familie wünschen und mit ihr einfach in Frieden vor sich hin leben. Nicht stumpf, nicht abgewandt, aber auch nicht unter dauerhafter Bedrohung.
Im Gedanken an alle Menschen, Eltern oder nicht, die sich der Aufgabe stellen müssen, das Loslassen nicht zu verlernen, die Angst nicht zum stetigen Begleiter werden zu lassen. 

Schwierig genug ist das.
Und vor dem "Hab keine Angst, mein Kind." steht da doch deutlich ein "Hab keine Angst, Mama."

Wenn ich nur wüsste, wie.

Kommentare:

  1. Angst ist niemals ein weiser Ratgeber. Keinw Angst haben. Wie soll das gehen heutzutage? Ich weiß es auch nicht. Die Welt scheint völlig durchzudrehen, die Menschen scheinen völlig durchzudrehen. Aus Angst vor allem. Und aus Machtgier.
    Wie kann man man selbst, für sich, für seine Familie aus diesem Kreislauf ausbrechen, wie keien Angst haben um seine Kinder, um ihre Zukunft? Ich weiß es grade leider auch nicht. Mitten im persönlichen Horror stehend, wird der Horror, der Terror in der Welt um uns herum größer und größer. Ruhig bleiben, business as usual? Ich würde dir so gerne einen Rat geben können, wie das geht. Aber leider weiß ich auch nicht, wie das gehen soll. Wie kann man mutig bleiben angesichts dieser Welt? :-(
    Sei gedrückt -
    Katja

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  2. Um ehrlich zu sein habe ich vor sehr vielem Angst, gerade vor Dingen, die völlig außerhalb meiner Kontrolle sind. Mein Versuch, damit umzugehen, auch, was meine Kinder angeht, ist, sie zu Menschen zu erziehen, die hinschauen, die mitdenken, aber viel wichtiger, die Gutes geben und Schönes säen. Ich denke, um nicht von dieser Angst verschluckt zu werden, ist es so extrem wichtig, sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren, auf ein menschliches Miteinander. Damit meine ich nicht, die Augen zu verschließen, denn das wäre meiner Meinung auch falsch. Man kann diese teils grausame Welt nicht ändern. Außerdem wird es nie Gerechtigkeit geben, oder absolute Sicherheit. Dafür ist die Menschheit zum Teil doch zu barbarisch. Aber man kann Gutes leben. Und dadurch Kontakt zu anderen guten Menschen bekommen. Und gemeinsam ist man oft viel stärker, als allein, versteckt unter der Decke und gelähmt vor Angst....
    Ich denk an dich...
    Mickymunchkin

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  3. Du Liebe, ein Abgeordneter sagte heute: Genau vor diesem Terror fliehen die Menschen zu uns.

    Wir sind aufgewachsen in der friedlichsten Phase, die diese Region der Welt jemals erlebt hat. Das hat uns und unsere Eltern gelehrt, sich sicher zu fühlen, mehr noch, sich vor allem Unbill abzusichern, dass die Policen in unseren Regalen Ordner füllen. Dass derweil fast überall außerhalb Europas und Nordamerikas Menschen sich mit Gewalt, extremer Armut und Ungerechtigkeit und Krieg auseinandersetzen mussten und müssen- genau wie das hier noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war, das haben wir ins weit weg geschoben, einige von uns engagiert in dritte Welt Läden oder ähnlichem gewissentlich verarbeitet....

    Meine Kinder bekommen Kinder und es bricht mir das Herz, mir vorzustellen, dass sie Angst haben müssen; dass sie in ihrer Entfaltung gehemmt werden, dass sie ohnmächtig mit wachsendem Haß konfrontiert werden.
    Bin ich deshalb eine Memme? Nein, ich glaube, dass es jedem so geht, jeder möchte ein gutes Leben in jeglichem Sinne für seine Kinder und Enkel. Jeder möchte eine unbeschwerte Kindheit für die geliebten Nachkommen.
    Wir sind ganz sicher sehr verwöhnt hierzulande. Ich liebe es, dass ich mich so verwöhnen lassen durfte in diesem Land. Aber ich spüre auch genau in welcher privilegierten Zeit wir an diesem Ort leben durften. Was nicht unser Verdienst ist, aber auch nicht unsere Schuld. Darum finde ich die Angst nicht nur verständlich, sondern normal.

    Man kann diese grausame Welt nicht ändern, lese ich grade im Kommentar oben. Tja, aber man kann selbst versuchen, nicht grausam zu werden und genau dies seinen Kindern und Enkeln, seinen Schülern und Mitmenschen vorzuleben. Damit ist doch schon etwas im Wandel. Und die Ohnmacht etwas gebannt.
    Sei sehr herzlich gegrüßt. Und fürchte Dich nicht. Auch wenn Du Angst hast.
    Lisa

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  4. Du hast es in Worte gefasst, was auch mich als Mutter am meisten beschäftigt... in welche Richtung geht unsere Welt, in was für eine Welt schicke ich meine Kinder hinaus... wir können ihnen nur mitgeben, vorleben, die Welt ein wenig besser zu machen.
    Danke für diesen Post, Kebo

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  5. Ich habe auch kein Rezept.
    Dabei kommt gleich meine Enkelin, eine Mademoiselle, und ich möchte mit ihr umgehen, frisch gemutet wie immer... Meine Angst umfasst auch dieses Kind ( und das, von dem ich gestern erfahren habe & welches meine Laune kurzzeitig heben konnte ), und manchmal haut mich das alles um und es kommt mir so billig vor, was jetzt gesagt, geschrieben, versprochen, gefordert wird. Denn eigentlich weiß ich, wie verlogen es ist, seit ich mich mit den Geschehnissen im Nahen Osten auseinandersetze ( das ist jetzt gerade zehn Monate her ).
    Mach et joot ( kölsche Verlegenheitsrede )!
    Astrid

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  6. Ich bin im Moment wie gelähmt. Diese schrecklichen Ereignisse waren leider vorhersehbar...es war nur nicht genau klar, wann und wo...Und genau das ist das Brutale daran...Im Moment verspüre ich eher Trauer,Wut und Trotz.
    Im Netz habe ich einen schönen Ausspruch gefunden:
    "Und wenn die Realität dir den Boden unter den Füßen wegzieht, wenn das Wissen, in dem du schwimmst, dich nach unten in die Tiefe zieht und dir den Atem raubt, wenn der Himmel über dir anfängt einzustürzen, dann nimm deine Hoffnung bei der Hand und laufe mit ihr bis zu den Sternen." Verfasser unbekannt.
    Vielleicht kann er Dir Mut machen...
    Liebe Grüße, Lotta.

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  7. (((Nina)))
    Wir leben es vor, dass es sich lohnt. Dass es neben der Angst das Gute gibt. Dass WIR das Gute tun, tun können, jeden Tag.
    Alles Liebe
    Anneliese

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  8. Oh, ja das frage ich mich auch immer wieder, in was für eine Welt entlassen wir unsere Kinder nur. Da kann man noch so Regeln lernen, Gutes und Schlechtes unterscheiden lernen, deinem Kind vertrauen, und dann kommt irgend so einer daher und alles ist futscht.
    Schön zusammengefasster Post, danke.
    Lieben Gruß,
    Petra

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  9. Meine Liebste,

    ich nehme mal den für mich festgestellten schlimmen Teil vorneweg:
    Wir können weder uns noch unsere Lieben permanent vor dem Unheil dieser Welt beschützen.
    Niemals.
    Das ist eine Tatsache, an der es nix zu rütteln gibt.

    Aber es gibt ja zu jedem negativen Part auch einen positiven.
    Diese Angst darf sich durchaus manchmal in uns melden.
    Denn sie sensibilisiert uns. Nicht in die Richtung, dass wir unsere Kinder permanent überwachen, sondern darin, dass wir ihnen aufzeigen können, was richtig und was falsch ist.
    Wir können ihnen aufzeigen, dass man trotz all der Grausamkeiten in der Welt niemals davon ablassen sollte, in den anderen das Gute zu sehen.
    Dass es neben all diesen Durchgeknallten unheimlich viele Menschen gibt, die Offenheit, Toleranz, Miteinander leben.
    Schau dich um, meine Liebe, wie viele Menschen um dich herum kennst du, die dich und andere lieben, die offen sind für Andersartigkeit, denen Herzenswärme und Miteinander wichtig sind und die genau diese Werte an ihre Kinder weitergeben?
    Ich denke, dir fallen da ganz, ganz viele ein.
    Und wenn du all jene fragen würdest, wie viele sie kennen, würden auch sie jede Menge Menschen kennen.

    Ja, mag sein, vielleicht lebe ich etwas blauäugig, vielleicht ist es aber auch mein fester Wille, dass diese Gewalt niemals unsere Seelen, unser Leben derart erfassen kann oder darf, wie diese Radikalen es sich wünschen! DAS möchte ich meinen Kindern vermitteln.
    Dass es Menschen gibt, die an das Gute glauben, die das Gute leben, jeden Tag, immer und immer wieder, egal wie viele schlimme Dinge passieren.

    Auch mir wird das manchmal zu viel, die Aufgabe scheinbar zu groß, aber ich mag einfach nicht daran glauben, dass die Welt so schlecht ist, wie sie sich gerade in Paris gezeigt hat.
    Ich bin mir sicher, die Welt ist nicht dieser Teil von Paris, Utøya, Syrien, Krim.

    Die Angst, sie darf uns erfassen, uns durchaus auch erschüttern in unserem Glauben, in unserem Herzen, um uns dann gestärkt weiter zu schicken. Aus der Angst eine Stärke werden lassen, um unseren Kindern zu zeigen, dass die Welt, die ihnen auch gehört, durch uns, durch sie eine gute werden/bleiben kann, wenn wir und sie alles daran setzen.

    Und ich möchte dir, meine Beste, in all deine Fragen, in all deine Ängste, in all deine Verzweiflung hinein, sagen, dass du eine wunderbare Mutter bist, die genau diesen Weg bisher trotz aller persönlicher Schwierigkeiten bravurös gemeistert hat.
    Auch wenn gerade eine große Portion Unsicherheit und vielleicht auch Mutlosigkeit mitschwappt in diese Zeiten - ich bin mir sicher, dass wir das Lachen nicht verlieren werden. Nicht verlieren dürfen, für all die, die noch an eine gute, friedliche Welt glauben - für unsere Kinder!

    Ich drücke dich von ganzem Herzen!!!
    Deine Freundin Katja

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  10. Mögen unserer Herzen nicht hart werden. Das wäre das Schlimmste. Erschüttert und traurig, und im Herzen doch voller Hoffnung und Zuversicht grüßt dich Ghislana

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  11. Hallo Nina

    Die Angst ist wohl immer da, mal mehr mal weniger, was auch mit dem Urvertrauen zu tun hat, mit dem du und deine Kinder hoffentlich geboren wurden. Es ist gut, dass wir Angst haben. Sie lässt und in Gefahr Reissaus nehmen oder erst gar nicht hingehen. Aber dann, wenn die Bedrohung nicht unmittelbar ist, soll sie uns im guten Fall zum Nachdenken bringen. Wir müssen über Angst nachdenken, damit sie nicht unser Handeln bestimmt, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber. Du machst genau das.

    Und dann noch was in eigener Sache: Ich habe gemeint, wenn meine Kinder erwachsen sind, würde dann die Sorge um sie kleiner wird. Und jetzt merke ich, dass in dieser Hinsicht Mama sein nie aufhört. Mama bleibt Mama, Sorge bleibt Sorge, Vertrauen bleibt Vertrauen. Ich habe ab und zu (nicht allzu oft) schlaflose Nächte, um dann bei Tageslicht meine Zuversicht wieder zu finden. Alles Gute!

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    1. Ja, Mama bleibt Mama, und dann wird man auch noch Oma - Zuversicht und Hoffnung fassen, das ist alles andere als Gleichgültigkeit und Ignoranz. Akzeptieren müssen, dass man zwar vorsorgen und vorsichtig sein kann, aber das Leben nicht in der Hand hat. Lieben Sonntagsgruß Ghislana

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  12. Liebe Nina!
    Fühl dich aus der Ferne gedrückt!
    Angst ist ein Teil unseres Lebens und bewahrt uns vor evtl. leichtfertigen Dingen. Sie darf nur keine Macht über uns erlangen und uns an Dingen hindern, die uns eigentlich Freude machen und das Herz erwärmen würden.
    All die Gedanken nach den passierten Ereignissen sind normal und sie sind richtig. Niemand kann uns eine Garantie für irgendwas geben. Aber ich wünsche dir, dass du auf dein Herz und deine innere Stärke hören und vertrauen kannst. Mach das, was du tun kannst und genieße die Gegenwart. Dann wird die lähmende Angst nach und nach hoffentlich kleiner werden.
    Ganz liebe Grüße,
    Frauke

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  13. Liebe Nina,
    Angst ist überlebenswichtig. In gesundem Maße. Und genau wie Glaube, Liebe, Hoffnung und Freude gehört sie zu unserem Leben. Mal nimmt sie mehr Raum ein, weißt du noch, als deine Kinder das erste mal alleine zur Schule gingen?,ich bin vor Sorge gestorben. Bis ich gemerkt habe, ich muss loslassen lernen. Nun ist das Kind bald 16 Jahre und Drogen und andere ekelige Dinge locken. Aber ich habe festgestellt, dass ich ihr ein gutes Gerüst mitgegeben habe und ich ihr und nicht meinen Ängsten vertraue. Also lass ich die Angst nicht mein Leben bestimmen. Sie ist da und schläft hinterm Ofen. Wie ein alter Hund, der sich meldet, wenn es wirklich nötig ist. Die Welt ist im Wandel und es wird noch viel passieren, was wir sicherlich nicht möchten und was uns aus unserem "guten" Leben wachrüttelt. Aber es ist das Ungewisse, das wir fürchten. Das wir nicht schnell genug reagieren können oder schlimmstenfalls gar nicht reagieren können. Mir fällt hier immer wieder das Satz ein "Angst essen Seele auf". Und meine Seele lass ich mir nicht auffressen.
    Eine feste Umarmung Ninchen
    und der Angst ein Lachen zeigen (und die Zähne ;-) )
    Claudia

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  14. Hallo Nina, Deine Ängste kann ich als Mami sehr gut nachempfinden. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie es sich als Kind anfühlt gedemütigt und misshandelt zu werden und dabei die Sicherheit zu verlieren. Es benötigte Jahrzente nicht mehr in einer Opferrolle zu sein und weniger Angst zu haben. Gelernt habe ich: Wenn Du Angst hast, sind dementsprechend die Gedanken. Meistens kommt es aber nicht so schlimm oder zumindest viel anders als in der Vorstellung. So oft hatte ich Angstzustände und musste zur Beruhigung Tabletten nehmen. Heute versuche ich meine Angst zu steuern, indem ich mir immer wieder vorsage "Habe erst Angst, wenn es konkret ist". Für mich passt das so.
    Was unsere Kinder anbelangt: Hab Vertrauen in Deine Kinder, dass sie es schaffen und aushalten. Auch Du warst ein Kind und hast es geschafft. Kinder sind viel stärker als wir Erwachsene ihnen manchmal zutrauen. In Liebe und Geborgenheit aufzuwachsen mit dem Wissen, dass die Eltern da sind, gibt ihnen einen guten Boden unter den Füssen.

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  15. Ja, Angst essen Seele auf. Und da nützt das lauteste Pfeifen auch nichts.
    Ich bin in dieser Hinsicht ja eigentlich eher pragmatisch unterwegs und habe familiär ein dickes Fell antrainiert bekommen, aber auch ich merke sie deutlich, diese Angst ums Kind, um die Familie, um das kleine glückliche Leben.
    Mir gelingt es zum Glück ganz gut, immer wieder rauszukommen- an diesem Wochenende half mir dabei eine Einladung zum Schlachtessen (*blärch*- die semi-vegetarische Variante geht, aber der Geruch! Da hilft nur viel Alkohol.), ein mehrstündiger Kassendienst beim Kinderkleiderbasar, ein Martinszug, ein Whiskytasting (wiederum sehr wenig Alkohol, dafür sehr genussreich), ein Familiensonntag mit Kucheneinladung und Nachrichten/Social Media nur am Rande. Keine Zeit also für Berichterstattung und ich war froh drum.
    Ich kann mich noch sehr gut an die Erstarrung und das furchtbar tiefgehende Entsetzen erinnern bei 9/11. Ich konnte keine Nachrichtensendung abschalten, aber trotzdem war das ja so weit weg, nicht wirklich nah.
    Paris ist so nah. Ich habe mir nicht mehr Nachrichten angeschaut als sonst, ich will keine Augenzeugenvideos sehen, die Namen der Attentäter interessieren mich nicht (man sollte sie nur bei diesem einen Namen nennen: die Attentäter. Ein eigener Name wäre zuviel Vermenschlichung. Sie haben sich mit ihrer Tat aus dem Kreis der fühlenden Wesen selbst herausgeschossen, es steht ihnen nicht zu einen Namen zu haben. Sie sollen der ewigen Vergessenheit anheimfallen.)
    Ich habe auch mein Profilbild nicht geändert, kein Hashtag, kein Irgendwas. Trotzdem denke ich ständig an die Menschen dort.
    Hier können wir etwas bewirken. Wir können die Flüchtlinge aufnehmen, sie integrieren, ihnen echte Bildung zukommen lassen, sie behandeln wie Müller und Schulze auch, und dann, nur dann haben wir eine Chance, das sich so etwas hier in unserem Umfeld nicht wiederholt.
    Die Attentäter waren Franzosen. Geboren und aufgewachsen in Frankreich. DAS macht mir tatsächlich am meisten Angst.
    Hab es schön, geniess deine Kinder. Und die Katzen. Wir haben nur dies eine Leben, es lohn tnicht es an die Angst zu verschwenden.
    Fühl dich gedrückt, schön von dir zu hören.
    <3
    Doro

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  16. Liebe Nina,

    angesichts der sowohl inhaltlich als auch grammatisch empörenden Mitteilung "Ihr Darf höchstens 4.096 Zeichen umfassen-Code kann nicht übernommen werden" habe ich das, was ein offenbar GANZ LEICHT ausufernder Kommentar werden sollte, dort hingetan:
    https://kleineviecher.wordpress.com/2015/11/17/kommentar/

    Sei fest umarmt. Hab keine Angst oder nimm sie zumindest ein bisschen in den Arm, die Angst, wenn sie sich nicht beruhigen kann. Schlaf gut. Ich hab Dich lieb.

    Maike

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  17. Auf die vielen Kommentare, die mich berührt und mir geholfen haben in mehr als einer Hinsicht, habe ich aus Freude und Dankbarkeit über Euch und Eure Mühe in einem neuen Beitrag geantwortet. Danke.

    Nina

    http://zepideh.blogspot.de/2015/11/hab-keine-angst-mein-kind-ii.html

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  18. Liebe Nina, ich hatte und habe keine eigenen Worte... aber diese singen in meiner Seele...

    Nicht müde werden,
    sondern dem Wunder
    leise, wie einem Vogel,
    die Hand hinhalten...

    Sei in den Arm genommen... und danke... die andere Nina

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  19. Ja Angst ist wirklich ein schlechter Ratgeber..aber wenn man versucht sich vorstellen, man steht schon am Ende seines Lebens und blickt zurück auf diese Situation, dann kann man manchmal schon über seinen eigenen Schatten springen :)

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